Fünf junge Berufsleute im Gespräch

Lernen im Vivala

Andrina, Claude, Milena, Selina und Pascal haben im Juli 2018 ihren Berufsabschluss zur Fachfrau / Fachmann Betreuung gemacht. In diesem Interview geben sie einen Einblick in die Berufsausbildung im Vivala.

Was gefällt euch an eurem Beruf?

Andrina: Am meisten gefällt mir die Zusammenarbeit mit den beeinträchtigten Personen. Es bereitet mir Freude, sie in ihrem Alltag zu unterstützen, zu fördern oder auch einfach nur ein offenes Ohr für sie zu haben. Ich erlebe täglich neue Herausforderungen und Highlights. Anders als in einem Spital betreuen wir im Vivala die Bewohner und Bewohnerinnen über eine lange Zeit und können so eine Beziehung zu ihnen aufbauen. Auch die Arbeit im Team ist für mich etwas Schönes. Wir unterstützen uns gegenseitig und profitieren voneinander.

Claude: Zusammen mit einem Menschen mit Beeinträchtigung etwas erarbeiten, das ihm hilft, sein Alltagsleben zu meistern. Man ist für die Organisation für die Betreuten zuständig was heisst: z.B. Coiffeur-Besuch, Ausflüge machen, Kuchen backen und den Betreuten das Alltagsleben zu koordinieren. Man bekommt sehr viel Vertrauen und kann viele Arbeiten selbständig erledigen.

Milena: Mir gefällt an diesem Beruf besonders, dass das Miteinander sehr wichtig ist. Mir macht es grossen Spass, die Klienten im Alltag zu begleiten und ihnen die nötige Unterstützung zu geben. Als Fachfrau Behindertenbetreuung ist kein Tag gleich wie der andere; jeder bringt neue Herausforderungen und schöne Momente. Die Klienten geben einem sehr viel zurück.

„Ich erlebe täglich neue Herausforderungen und Highlights“

Andrina

Pascal: Ich habe sehr gerne Menschen um mich und es ist sehr erfreulich, sie bei ihrer Entwicklung begleiten zu dürfen und ihre Lebensfreude zu beobachten.

Selina: Das Fördern, Begleiten und Unterstützen von Menschen mit einer Beeinträchtigung bereitet mir grosse Freude. Es ist auch immer sehr schön, die Fortschritte zu sehen, die ein Kind macht. Das Zusammenarbeiten mit den verschiedenen Bereichen ist sehr interessant. Man hört so viele unterschiedliche Ansichten und kann diese Perspektiven berücksichtigen.

Was sind die Schattenseiten des Berufs?

Selina: Wenn man diesen Beruf erlernen will muss einem klar sein, dass die Bewohner und Bewohnerinnen, egal ob es Kinder oder Erwachsene sind, zum Teil die ganze Woche inklusive Wochenende auf der Wohngruppe sein könnten. Das heisst für uns Mitarbeiter, dass wir auch am Wochenende arbeiten und unregelmässige Arbeitszeiten haben. Auch geteilte Dienste sind in diesem Bereich nichts Aussergewöhnliches.

Milena: Die unregelmässigen Arbeitszeiten sind sicherlich eine grosse Herausforderung der man sich stellen muss. Eine Aufgabe der Fachfrau Betreuung ist es auch für Ordnung und Sauberkeit auf der Gruppe zu sorgen, dies macht Mal mehr und Mal weniger Spass.

Pascal: Die Schattenseiten des Berufs sind Schichtdienste, Wochenenddienste und personelle Engpässe, welche sich negativ auf die Betreuung der Bewohner auswirken können. Dazu kommt noch eine gewisse körperliche Belastung.

Andrina: Wie gesagt bringt der Beruf auch Herausforderungen mit sich. Mit physischer oder psychischer Gewalt konfrontiert zu werden, ist belastend. Ebenfalls schwierig ist zu sehen, wenn es einem Bewohner oder einer Bewohnerin nicht gut geht. Für solche Situationen haben wir geregelte Abläufe und auch Ansprechpersonen, die einen in herausfordernden Situationen unterstützen. Es ist wichtig, dass man lernt, sich abzugrenzen und die Arbeit hinter sich zu lassen, wenn man Feierabend hat. Der Beruf Fachfrau Betreuung in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung hat in der Gesellschaft einen nicht so hohen Stellenwert. Das finde ich schade. Oft muss man sich rechtfertigen, weshalb gut ausgebildete Betreuungspersonen wichtig sind.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Was muss eine Lernende mitbringen, damit sie diesen Beruf erlernen kann?

Milena: Eine Fachfrau Betreuung arbeitet im Team mit verschiedenen Berufen sowie mit den Klienten. Eine der wichtigsten Kompetenzen ist sicherlich, dass die Person Freude am Umgang mit Menschen hat. Auch ist eine gewisse Belastbarkeit von Vorteil, um mit schwierigen Situationen umgehen zu können. Aber das Wichtigste ist die Freude gemeinsam mit den Klienten den Alltag zu gestalten und sie in ihrem Tun zu unterstützen.

„Ich denke, es braucht viel Selbst- und Sozialkompetenz“

Pascal

Selina: Primär ist es mal wichtig, dass man Freude, Menschlichkeit, Motivation, Flexibilität, Spontanität und viel Energie mitbringt. Alles andere lernt man an der Berufsschule oder direkt im Betrieb und während der Arbeit mit den zu betreuenden Menschen.

Andrina: Teamfähigkeit, Empathie und Reflexionsbereitschaft sind wichtige Eigenschaften als Fachfrau Betreuung. Ebenfalls muss sich eine Lernende bewusst sein, dass in unserem Beruf hauswirtschaftliche Tätigkeiten dazu gehören. Die Wohngruppe muss regelmässig gereinigt werden und je nach Wohngruppe wird auch das Abendessen selber zubereitet.

Claude: Ganz viel Empathie, Flexibilität und Geduld, die man für die Bewohner und Team benötigt. Eine Portion Selbstsicherheit und den Mut haben die eigene Meinung zu vertreten zu können, die Bereitschaft auch an seiner eigenen Persönlichkeit zu arbeiten, in dem man seine eigenen Muster analysiert.

Was würdet ihr einer Freundin, einem Freund raten, der sich für diesen Beruf interessiert?

Pascal: Mach ein Praktikum, wenn dir der Beruf dann immer noch gefällt, kannst du dir sicher sein, dass es das Richtige ist für dich.

Claude: Mehrmals einen Schnuppertag oder eine Schnupperwoche absolvieren, um möglichst ein einheitliches Bild zu bekommen. Jeder Mensch ist anders, entsprechend sind auch die Wohngruppen unterschiedlich. Zudem würde ich die Heimphilosophie gut anschauen den es gibt ganz unterschiedliche Ansätze wie man die Menschen mit Behinderungen begleitet.

„Bei mir war es so, dass ich sofort gespürt habe, dass es das ist was ich machen möchte.“

Milena

Andrina: Mit dem Beruf Fachfrau/Fachmann Betreuung kann man mit unterschiedlichem Klientel zusammenarbeiten. Es gibt die Fachrichtung Kinderbetreuung und die Fachrichtung Behindertenbetreuung. Je nach Behinderungsart unterscheidet sich die Arbeit der FaBe stark. Das Schnuppern war für mich eine wichtige Erfahrung. Ich konnte mir anfangs nur schwer vorstellen, was man in diesem Beruf genau macht, ob ich mir diese Arbeit zutraue und ob sie mir gefällt.

Milena: Auf einer Wohngruppe bekommt man die Möglichkeit einen Einblick in die Arbeit als FaBe zu erhalten. In einer Institution ist eine ganz andere Atmosphäre, als wenn man die Menschen mit speziellen Bedürfnissen ausserhalb der Institution sieht. Bei mir war es so, dass ich sofort gespürt habe, dass es das ist was ich machen möchte.

Wie erlebtet ihr die Ausbildung im Vivala?

Andrina: Für mich waren es drei sehr lehrreiche und kurzweilige Jahre. Ich fühlte mich während der Ausbildung in der Regel gut begleitet. Während der Lehre durfte ich die Berufsmaturitätsschule besuchen, dies war oft sehr anstrengend, doch bin ich dankbar für diese Möglichkeit und die Unterstützung des Betriebes.

Claude: Ich empfand die Ausbildung als anspruchsvoll, weil Theorie und Praxis sich teilweise nur bedingt verknüpfen lassen, und dabei zu erahnen welche Handlungsansätze die richtigen sind. Dabei konnte ich jederzeit mich auf das Team verlassen und konnte entsprechend Rückfragen stellen oder erhielt auch die Unterstützung.

„Ich habe die drei Jahre mit den Kindern sehr genossen.“

Selina

Selina: Die Ausbildung hier in der Stiftung Vivala war eine sehr lehrreiche und schöne Zeit. Ich habe die drei Jahre mit den Kindern sehr genossen. Durch die Berufsbildnerin wurde ich gut begleitet und unterstützt und ich werde vieles auf meinen weiteren Lebensweg mitnehmen.

Milena: Im Vivala hat die Ausbildung einen sehr hohen Stellenwert. Es wird sich sehr viel Zeit für die Ausbildung von Lernenden genommen. Auch empfand ich es als sehr angenehm, dass es mehrere Lernende in der Stiftung hatte, mit welchen man sich austauschen konnte.

Was ist vielleicht der Unterschied zu anderen Ausbildungsinstitutionen?
Milena: Im Vivala wechselt man jedes Jahr die Wohngruppe; dies ermöglicht einem einen Einblick in verschiedene Gruppen. Dabei lernt man verschiedene Gruppendynamiken, Handlungsgrundsätze sowie verschiedene Arten von Beeinträchtigungen kennen. Ich empfand dies als sehr positiv. Zudem haben wir einen Lernendentreff, dieser findet halbjährlich statt: Dabei können sich die Lernenden austauschen und den gemeinsamen Kontakt pflegen. Zudem haben wir als einzige Institution im Thurgau ein Lehrlingslager. Dabei geht jede Lernende/r mit einem Klienten eine Woche gemeinsam ins Lager. Für mich war das immer ein Höhepunkt im Jahr. Man durfte dabei eine Woche wie eine „richtige“ FaBe arbeiten. Auch konnte man den Kontakt zu den anderen Lernenden intensiv pflegen.

„Hier erarbeitet man alles selber, mittels Modelllehrgang, dabei wird man durch einen Berufsbildner unterstützt.“

Claude

Claude: In meiner ersten Ausbildung hatte ich viel mehr interne Kurse, wo man fachspezifische Fächer nochmals angeschaut hat und auf die eigenen Betriebsregeln eingegangen ist. Hier erarbeitet man alles selber, mittels Modelllehrgang, dabei wird man durch einen Berufsbildner unterstützt.

Selina: Das Vivala ist im Vergleich zu anderen Institutionen ein eher grösserer Betrieb und bietet daher auch mehr Weiterbildungen an, wie zum Beispiel den Kinästhetik-Grundkurs.

Pascal: Ich denke, dass man auf Grund des Gruppenwechsels mit vielen verschiedenen Behinderungsformen in Kontakt kommt und diese kennen lernt. Ich habe den Eindruck, dass dies nicht in allen Institutionen der Fall ist.

Andrina: In der Stiftung Vivala wechseln die Lernenden jedes Jahr die Wohngruppe. Somit hatte ich die Gelegenheit in den drei Jahren Lehre drei verschiedene Teams und drei Wohngruppen mit unterschiedlichen Bewohnern/Bewohnerinnen kennenzulernen. Diese Wechsel empfand ich als sehr lehrreich.

 

Vielen Dank an Milena, Andrina, Pascal, Selina und Claude für dieses Interview!

Lehrabschluss Fachleute Betreuung 2018

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s