Bewegung am, im und auf dem Wasser: Kinästhetik-Lager 2019

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Das Kinästhetiklager fand vom 2 bis 6. September 2019 im Haus am Schönenbühl Speicher AR statt. Wir waren diesmal eine eher etwas kleinere Gruppe von 14 Personen.

Der Ablauf: Vormittags gemeinsam am Boden Bewegungskompetenz-Fragen nachgehen und am Nachmittag Ausflüge machen.

So machten wir eine Fahrt mit dem Motorboot von Rorschach aus und liessen die Rollstühle an Land. Dabei haben I. und M. das erste Mal in ihrem Leben ein Motorboot gesteuert, was sehr aufregend und mit grosser Freude verbunden war.

Dann waren wir am Rohrspitz im Bodensee schwimmen, wo S. alleine vom Rollstuhl an den Strand und von da ins Wasser gekrochen ist.

Für M. war das Einsteigen in die Führerkabine der Busse jedes Mal ein Highlight.

Auffällig war die eher „gechillte“ Stimmung, so nach dem Motto: zur Anspannung gehört auch die Entspannung. Das hat auch R. gelernt, der gerne aus Spass mit Mitarbeitern rauft, sich doch dann aufs Aufhören und Runterfahren einzulassen. So auch M., die das „sich auf dem Boden aufhalten“ nützte, um sich bei verschiedenen MitarbeiterInnen anzulehnen und sich so zu entspannen.

So sind wir gemeinsam auf Entdeckungsreise gegangen punkto „Was kannst du? Was kann ich?“.

Wir freuen uns schon auf das nächste Jahr, da werden dann neu auch ein paar Kinder mit ihren BetreuerInnen teilnehmen.

Reinhard

Tessin trifft Thurgau: 9 Jahre später

Ein Blick hinter die Kulissen, Lernen im Vivala

Vom 6. Mai bis zum 20. Juni 2019 absolvierten Ambra, Shilya, Serse und Zeno aus dem Tessin ihr Praktikum in der Stiftung Vivala. Die Lernenden der Ausbildung Fachfrau/mann Betreuung besuchen den Berufsschulunterricht an ihrer Schule und absolvieren regelmässige Praktika. Besonders sprachbegabte Jugendliche haben die Möglichkeit, in der Deutschschweiz in sozialen Institutionen zu arbeiten. Wir haben den angehenden Fachleuten Betreuung einige Fragen zu ihrem Arbeitseinsatz gestellt.

Was hat euch im Vivala besonders gefallen?

Wir mochten Vivala sehr gerne. Die Institution ist ein sehr einladender Ort. Wir freuten uns sehr darauf, hier zu arbeiten und das Praktikum zu absolvieren. Die Arbeiten im Praktikum bereitete uns viel Freude.

Was beinhaltete das Praktikum?

Im Praktikum haben wir die Grundlagen unserer Betreuungsarbeit gelernt, wie man beispielsweise auf die Betreuten eingeht und sie bei der Pflege unterstützt. Wir arbeiteten in unterschiedlichen Teams und bekamen so Einblick in den Berufsalltag. Wir haben aber auch die Möglichkeiten von Beschäftigung und Tagesstruktur entdeckt.

Was sind eure weiteren Zukunftspläne für die Ausbildung?

Wenn wir die Schule beendet haben, gehen wir zu SUPSI (Scuola universitaria professionale della Svizzera Italiana, um dort zu studieren. Ambra möchte in der französischen Schweiz studieren, Serse und Zeno wissen es noch nicht. Shilya will an die Universität in Zürich gehen, um Psychologie zu studieren. Andernfalls wird sie auch sie an der SUPSI studieren.

Liebe Ambra und Shilya, lieber Serse und lieber Zeno, wir wünschen euch für die weitere Zukunft alles Gute!

Seit 2010 beteiligt sich Vivala an dieser Ausbildungsmöglichkeit in der Deutschschweiz für Fachfrauen und Fachmänner Betreuung in Ausbildung an der SSPSS Cannobio (Scuola specializzata per le professioni sanitarie e sociali). Tessin trifft Thurgau“ hat sich in den vergangenen Jahren von einem kleinen interkantonalen Projekt zu einer festen (Ausbildungs-) Grösse im Vivala und in anderen Institutionen in der Deutschschweiz entwickelt. Die Lernenden aus dem Kanton Tessin stechen heraus durch ihren Fleiss, Intelligenz und hohe Motivation. Die Zusammenarbeit mit der Berufsschule SSPSS ist unkompliziert. Rückblickend auf die letzten neun Jahre kann man sagen: ein voller Erfolg!

Zwei Fachfrauen Hauswirtschaft erzählen

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Michelle und Rebecca haben vor einigen Tagen ihre Ausbildung zur Fachfrau Hauswirtschaft EFZ erfolgreich abgeschlossen. In diesem Interview berichten Sie, was sie während ihrer Lehre im Vivala bewegt und begeistert hat:

Wie seid ihr auf diesen Beruf aufmerksam geworden?

Rebecca: Eine gute Freundin hat mir damals den Tipp gegeben, mich im Vivala (ehemals Friedheim) für eine Schnupperlehre zu bewerben.Das tat ich dann auch und bekam danach auch die Lehrstelle als Hauswirtschaftspraktikerin EBA. Anschliessend absolvierte ich die Ausbildung zur Fachfrau Hauswirtschaft EFZ.

Michelle: Ich bin bei meiner Cousine schnuppern gegangen. Sie arbeitete damals im Unispital Zürich, als Bereichsleiterin in der Hauswirtschaft. Dort konnte ich mir einen guten Einblick von der Hauswirtschaft machen.

Was gefällt euch besonders daran? Welche Arbeiten?

Rebecca: Das Abwechseln der Einsätze auf den verschiedenen Abteilungen in der Hauswirtschaft (Reinigung, Wäscherei und Küche). So wurde es nie langweilig und man lernte immer wieder etwas Neues dazu. Zwischendurch waren wir auch im Service eingeteilt, was ich cool finde. Die Begegnungen mit den Bewohnern, das gefällt mir wirklich sehr. Dass man hier im Betrieb auch mit ihnen zusammenarbeiten kann, macht besonders viel Spass und auch Freude.

Michelle: Am besten finde ich die Abwechslung in unserem Beruf. Es wird einem nie langweilig. Alles was man lernt, kann man im Alltag z. B. zu Hause gebrauchen. Mir persönlich gefallen deshalb alle Arbeiten.

Rebecca: Grundsätzlich gefallen mir alle Arbeiten die ich zu erledigen habe. Die einen halt mehr und die anderen ein bisschen weniger. Aber das ist sicher in jedem Beruf genauso.

Welche Highlights erlebt ihr in eurem Berufsalltag im Vivala?

Michelle: Ein Highlight ist für mich sicher die Zusammenarbeit mit den Bewohnern in den Abteilungen.

Rebecca: Es gab immer wieder Highlights hier im Betrieb. Zum Beispiel alle zwei Jahre das Open Air oder die Vivala Chilbi. Jährlich findet auch der Spiel- und Sporttag statt der jeweils besonders viel Spass macht. Auch das Jubiläumsjahr 2017 war etwas ganz Besonderes mit den vielen kleineren und grösseren Anlässen rund ums Vivala.

Welche Schattenseiten hat euer Beruf?

Rebecca: Dass mehr als die Hälfe der Tätigkeiten Reinigungsarbeiten sind, die wir erledigen müssen, was mehr oder weniger Spass macht. Oder auch, dass jeder Betrieb anders ist als die restlichen Betriebe, die man kennt, bzw. dass nicht alle genau gleich sind. Das ist aber wiederum auch gut.

Michelle: Meist ist es selbstverständlich in den Betrieben, dass es immer sauber ist, frische Wäsche da ist und alles funktioniert in der Hauswirtschaft. Was ich in unserem Betrieb schön finde, weil man bei uns sehr darauf achtet. Bei vielen Schulkolleginnen und Schulkollegen ist das leider nicht so.

Was würdest du einer Freundin oder einem Freund raten, wenn sie oder er diesen Beruf lernen möchte?

Michelle: Ich würde ihm/ihr raten, dass man flexibel sein sollte, gute Nerven, Mitgefühl und Freude an dem Kontakt mit Menschen haben sollte. Wenn man Abwechslung gerne mag, ist es genau das richtige.

Rebecca: Dass sie oder er sich zuerst gut über den Beruf und die Anforderungen informiert. Schnuppern, wenn möglich in verschiedenen Betrieben, ist von grossem Vorteil. So kann man sich darauf einstellen und weiss was auf einen zukommt.

Vielen Dank und alles Gute für eure weitere Zukunft!

Ein wilder Abend!

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Am vergangenen Mittwochabend, 13. Februar 2019, besuchten Menschen mit und ohne Beeinträchtigung den Maskenball der Stiftung Vivala Weinfelden unter dem Motto „Wild Wild West„. So fanden jede Menge Cowboys, Indianer, Prinzessinnen, wilde Tiere, Outlaws und Elfen ihren Weg in den Saloon „Thurgauer Dörfli“.

Zu „wilder“ Musik konnte bis spät in die Nacht getanzt werden. Für jeden Geschmack wurde von DJ Dave die passende Musik gespielt, seien es Schlager, Discohits oder Schunkellieder. Für feines Essen und tolle Drinks sorgten die Lernenden hinter der Bar.

Einer der vielen Höhepunkt des Abends war sicherlich der Auftritt der Guggenmusig „Nollefäger“ aus Wuppenau, die mit ihrer rassigen Musik alle begeisterten und zum Mittanzen brachten. Die Helferinnen und Helfer sorgten so für ein Fest, dass wir so schnell nicht vergessen werden! Yippie Ya Yeah!!!

„Wild Wild West“ im Thurgauer Dörfli

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Die Fasnacht ist seit vielen Jahren ein grosses und wichtiges Fest im Vivala. An diesem Tag – oder besser: an diesem Abend – darf wild getanzt, gefeiert und gesungen werden. Mit einem Blick hinter die Kulissen möchten wir euch zeigen, wieviel Arbeit und Engagement in so einem Anlass steckt, denn am 13. Februar 2019 ab 17 Uhr ist es wieder soweit!

Claude und Dave sind in diesem Jahr die Organisatoren der Vivala-Fasnacht. Die beiden jungen Fachmänner Betreuung, die auf der gleichen Wohngruppe im Vivala tätig sind, haben sich engagiert an diese Aufgabe gemacht. Dass sie seit einigen Jahren zusammenarbeiten und wissen, wie der andere jeweils „tickt“, ist ein grosser Vorteil bei der Planung eines solchen Anlasses.

So war die erste Herausforderung, eine Location zu finden, die sowohl Partyfeeling für all die Besucher verspricht, als auch barrierefrei ist. Sie stiessen über einen Freund auf das „Thurgauer Dörfli“, welches im Inline Drom gleich neben dem Stadion Güttingersreuti liegt. Das rustikale Innere der Räumlichkeiten inspirierte die beiden Organisatoren auch sogleich zum diesjährigen Motto „Wild Wild West“.

So hat Dave in den letzten Wochen auch die passende Playlist für diesen Abend zusammengestellt. Die Musik soll nämlich Spass machen, zum Motto „Wild Wild West“ passen und auch für fasnächtliche Stimmung sorgen. Dave ist sich sicher, dass er hier den richtigen Geschmack der Besucherinnen und Besucher treffen wird. Er wird am 13. Februar denn auch am Mischpult stehen.

Claude gibt einen weiteren Einblick in die Organisation: „Wie in jedem Jahr sind auch 2019 unsere Lernenden mit von der Partie. Sie stehen an der Bar, helfen beim Auf- und Abbau und werden für eine gute Stimmung sorgen. Wir freuen uns auf jede Menge Gäste.“ Schliesslich will der Wilde Westen im Herzen des Thurgaus gefeiert werden!

 

Die 10. Lernbörse der Stiftung Vivala: Mitarbeitende bilden Mitarbeitende

Lernen im Vivala

Am Freitag, 23. November fand zum 10. Mal die Lernbörse der Stiftung Vivala im katholischen Pfarreizentrum in Weinfelden statt. Unter dem Motto „Mitarbeitende bilden Mitarbeitende“ bereiten sich Betreuungspersonen aus dem Erwachsenen-Wohnbereich sowie Gastreferent Aleksander Knauerhase während einiger Wochen auf diesen Tag vor. So konnten die Zuhörerinnen und Zuhörer Referate zum Thema „Männerschnupfen“,„Kräuter“, „Die autistische Wahrnehmung verstehen“, „Lampenfieber“ und „Die fünf Sprachen der Liebe“ besuchen. Begleitet wurde der Weiterbildungstag durch die zum Motto „Kräuterküche“ passende Verpflegung der Institutionsküche.

Geschäftsleiter Dave Siddiqui sagte dazu: „Es ist sehr bereichernd Anlässe wie die Lernbörse begleiten zu dürfen, da „Lernen“ auf möglichst vielen Ebenen stattfindet, gleichzeitig kollegiale Begegnung, Fachlichkeit und Kommunikation unterstützt wird. Das Konzept wurde in den letzten Jahren weiterentwickelt und hat sich absolut bewährt.“


Impressionen vom Lehrlingslager 2018

Dabei sein, Glanzlichter, Lernen im Vivala

Gute Stimmung. Bombenwetter. Tolle Teamleistung.

Mit diesen Worten, um nur ein paar wenige zu nennen, würde ich das Lehrlingslager 2018 beschreiben.Wie im Vorjahr bot das Hostel Depot 195 in Winterthur, den Ausgangspunkt der diesjährigen Lagertruppe.Eine Küche, um die Kochfertigkeiten der Lehrlinge zu testen.
Die Terrasse, welche Platz für einen Pizzaabend bot oder für gemütliches Verweilen unter dem Sternenhimmel. Hostelgäste, die mit der nötigen Prise Offenheit und Interesse unseren Bewohnern gegenübertraten.
Vieles und noch mehr hat das Hostel uns gegeben.

Vollsten Einsatz wurde seitens der Lagergruppe gefordert, um gewisse Hindernisse zu überwinden. Ein scheinbar unüberwindbarer Abgrund wurde mit erstaunlicher Souveränität gemeistert, um schliesslich in der Nähe eines Wasserfalls, die verdiente Bratwurst zu geniessen.

Solche Höhenflüge vollbrachten wir am Flughafen nicht, jedoch konnten wir uns auf der Aussichtsplattform an ihnen erfreuen. Bei glasklarem, strahlendem Himmel, wohlgemerkt. Eine Beschreibung des Wetters, welche für die ganze Woche treffend ist. Nicht nur der Himmel erstrahlte in tiefem Blau, sondern auch das Quellwasser vom Bad Zurzach.
Gegen Ende der Lagerwoche kam uns etwas Erholung sicherlich gelegen.

Gerade genug Erholung, um am Abend der benachbarten Bar, „Kraftfeld“, gerecht zu werden. Sichtlich geschafft und bereit für weit weniger turbulente Tage, kamen wir im vertrauten Vivala wieder an. Ein grosser Dank an Alle, die so einen bewundernswerten Einsatz gezeigt haben und es ermöglichten, das Lehrlingslager 2018 als sehr erfolgreiches und harmonisches Lager zu kennzeichnen.

(Manuel H., 2. Lehrjahr in der Ausbildung zum Fachmann Betreuung)

 

Interview mit Dessertbuchautorin Andrina

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Unsere ehemalige Lernende Andrina gewann im Juli 2018 einen Preis für ihre Maturaarbeit „Dessertbuch in Leichter Sprache“. In diesem Interview berichtet sie, wie sie dieses Buch geschrieben hat.

Wie kamst du darauf, ein Dessert-Buch in Leichter Sprache zu erstellen?

An einer Lernbörse im Vivala hielt jemand einen Vortrag über Leichte Sprache. Dieses Thema faszinierte mich und ich wollte es weiter vertiefen. Dass ein Kochbuch mit vielen Bildern und vielleicht sogar mit Cups/Bechern anstatt mit Masseinheiten sinnvoll wäre, diskutierten wir bei einem Weihnachtsessen mit Freunden und Verwandten. Beiläufig wurde mir gesagt, dass ich so ein Buch ja im Rahmen meiner Abschlussarbeit für die Schule erstellen könnte. Die Idee liess mich nicht mehr los und als es dann in der Schule um die Themenauswahl ging, suchte ich frühzeitig Mentoren, die mich in dieser Arbeit unterstützen würden. Dass es ein Dessertbuch und kein Koch- oder Backbuch wurde, hängt damit zusammen, dass ich wollte, dass das Buch für möglichst viele Personen hilfreich ist. Ich wollte nicht diejenigen Personen ausschliessen, die aus Sicherheitsgründen keinen Backofen oder Herd bedienen dürfen oder das nötige Wissen dafür nicht haben. In dem Dessertbuch hat es nun neun Rezepte und nur für zwei Rezepte wird ein Backofen benötigt.

Vor welchen Herausforderungen standest du bei dieser Arbeit?

Herausfordernd war das Verfassen der Rezepte. Leichte Sprache hat Richtlinien, an die man sich halten muss. Es gibt auch einen Duden Leichte Sprache, der mir geholfen hat. Trotzdem gab es immer wieder Momente, in denen ich stundenlang nach einem einfacheren Wort gesucht habe oder die Sätze immer wieder neu umformuliert habe, bis sie trotz Leichter Sprache inhaltlich und grammatikalisch korrekt waren.
Viele Schwierigkeiten stellte ich erst fest, als ich die Rezepte mit einem Bewohner ausprobierte. Ich merkte, dass er Abkürzungen von Masseinheiten nicht verstehen und Esslöffel von Kaffeelöffeln nicht voneinander unterscheiden kann. In der definitiven Version schrieb ich die Masseinheiten dann aus und unterschied zwischen „grosser Löffel“ und „kleiner Löffel“.
Das Fremdwort Muffin konnte er trotz Hilfe nicht lesen und verstehen. Ich nannte die Muffins dann Schokoladenküchlein.

„Trotzdem gab es immer wieder Momente, in denen ich stundenlang nach einem einfacheren Wort gesucht habe oder die Sätze immer wieder neu umformuliert habe, bis sie trotz Leichter Sprache inhaltlich und grammatikalisch korrekt waren.“

Was hat dir Spass gemacht, was weniger?

Kochen und Backen zähle ich zu meinen Hobbies, deshalb hat mir der Arbeitsschritt des Zubereitens der Desserts besonders gut gefallen. Das grösste Highlight war dann aber die Durchführung gemeinsam mit einem Bewohner von der Wohngruppe, auf der ich arbeitete. Er konnte mithilfe des Rezepts selbständig den Einkauf erledigen und den Dessert zubereiten. Voller Stolz streckte er mir den Teller Muffins entgegen und sagte „Andrina, weisst du, ich bin jetzt nicht mehr nur Musiker, ich kann jetzt auch backen“.

Natürlich bestand meine Interdisziplinäre Arbeit nicht nur aus dem Dessert-Buch, sondern ich musste auch eine schriftliche Arbeit mit Einleitung, These, Theorie und Fazit abgeben. Da sie interdisziplinär sein musste, wählte ich die beiden Fächer Deutsch und Naturwissenschaften. Meine Aufgabe war es dann, die Erarbeitung des Dessertbuchs mit Literatur aus diesen beiden Fächern zu verbinden. Der praktische Teil hat mir deutlich mehr Spass gemacht als das Schreiben, auch wenn ich viel dazulernen und profitieren konnte.

„Das grösste Highlight war dann aber die Durchführung gemeinsam mit einem Bewohner von der Wohngruppe, auf der ich arbeitete.“

Wie viel Zeit hast du in diese Arbeit investiert?

Wie viel Zeit ich genau brauchte, kann ich nicht sagen. Aber mit einem kurzen Arbeitsablauf kann man sich vielleicht etwas darunter vorstellen:
1. 10 Rezepte überlegen, die keinen Alkohol/Kaffee enthalten und einfach sind (z.B. kein Eier-trennen)
2. Einkaufsliste erstellen und einkaufen
3. Alle Zutaten einzeln fotografieren
4. Alle Hilfsmittel (Löffel, Schüssel etc.) fotografieren
5. Backen/zubereiten der Desserts
6. Desserts schön herrichten fürs Foto
7. Desserts fotografieren
8. Bilder bearbeiten
9. Mich mit Theorie Leichte Sprache auseinandersetzen
10. Beispielrezepte in Leichter Sprache lesen
11. Rezepte in Leichter Sprache schreiben
12. Erste Überprüfung der Rezepte: Texte in ein Prüftool eingeben
13. Zweite Überprüfung der Rezepte: Texte einem Experten in Leichter Sprache zum Gegenlesen geben
14. Dritte Überprüfung: Texte mit einem Menschen mit einer Beeinträchtigung gemeinsam lesen
15. Rezepte mit einem Menschen mit einer Beeinträchtigung testen (einkaufen/zubereiten)
16. Texte anpassen/vereinfachen
17. Dessert-Buch gestalten
18. Testversion bestellen und nochmals überarbeiten
19. Definitive Version bestellen

Kann man das Buch bei dir erwerben?

Ich habe das Buch auf einer App für Fotobücher gestaltet und dort bestellt. Wenn jemand Interesse hat, kann ich jederzeit ein Buch nachbestellen. Leider sind die Bücher da sehr kostspielig. Mein Ziel für die Sommerferien ist es deshalb, das Buch in einem anderen Format nochmals neu zu gestalten. So könnte ich bei Interesse auch einzelne Rezepte ausdrucken oder ich könnte die Datei sogar bei Amazon hochladen, damit meine Rezepte in Leichter Sprache als Buch veröffentlicht und dort bestellt werden können.

Liebe Andrina, danke für dieses Interview und dieses tolle Buch! Wir bleiben gespannt! Alles Gute für deine Zukunft!

 Andrina_Dessertbuch

Fünf junge Berufsleute im Gespräch

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Andrina, Claude, Milena, Selina und Pascal haben im Juli 2018 ihren Berufsabschluss zur Fachfrau / Fachmann Betreuung gemacht. In diesem Interview geben sie einen Einblick in die Berufsausbildung im Vivala.

Was gefällt euch an eurem Beruf?

Andrina: Am meisten gefällt mir die Zusammenarbeit mit den beeinträchtigten Personen. Es bereitet mir Freude, sie in ihrem Alltag zu unterstützen, zu fördern oder auch einfach nur ein offenes Ohr für sie zu haben. Ich erlebe täglich neue Herausforderungen und Highlights. Anders als in einem Spital betreuen wir im Vivala die Bewohner und Bewohnerinnen über eine lange Zeit und können so eine Beziehung zu ihnen aufbauen. Auch die Arbeit im Team ist für mich etwas Schönes. Wir unterstützen uns gegenseitig und profitieren voneinander.

Claude: Zusammen mit einem Menschen mit Beeinträchtigung etwas erarbeiten, das ihm hilft, sein Alltagsleben zu meistern. Man ist für die Organisation für die Betreuten zuständig was heisst: z.B. Coiffeur-Besuch, Ausflüge machen, Kuchen backen und den Betreuten das Alltagsleben zu koordinieren. Man bekommt sehr viel Vertrauen und kann viele Arbeiten selbständig erledigen.

Milena: Mir gefällt an diesem Beruf besonders, dass das Miteinander sehr wichtig ist. Mir macht es grossen Spass, die Klienten im Alltag zu begleiten und ihnen die nötige Unterstützung zu geben. Als Fachfrau Behindertenbetreuung ist kein Tag gleich wie der andere; jeder bringt neue Herausforderungen und schöne Momente. Die Klienten geben einem sehr viel zurück.

„Ich erlebe täglich neue Herausforderungen und Highlights“

Andrina

Pascal: Ich habe sehr gerne Menschen um mich und es ist sehr erfreulich, sie bei ihrer Entwicklung begleiten zu dürfen und ihre Lebensfreude zu beobachten.

Selina: Das Fördern, Begleiten und Unterstützen von Menschen mit einer Beeinträchtigung bereitet mir grosse Freude. Es ist auch immer sehr schön, die Fortschritte zu sehen, die ein Kind macht. Das Zusammenarbeiten mit den verschiedenen Bereichen ist sehr interessant. Man hört so viele unterschiedliche Ansichten und kann diese Perspektiven berücksichtigen.

Was sind die Schattenseiten des Berufs?

Selina: Wenn man diesen Beruf erlernen will muss einem klar sein, dass die Bewohner und Bewohnerinnen, egal ob es Kinder oder Erwachsene sind, zum Teil die ganze Woche inklusive Wochenende auf der Wohngruppe sein könnten. Das heisst für uns Mitarbeiter, dass wir auch am Wochenende arbeiten und unregelmässige Arbeitszeiten haben. Auch geteilte Dienste sind in diesem Bereich nichts Aussergewöhnliches.

Milena: Die unregelmässigen Arbeitszeiten sind sicherlich eine grosse Herausforderung der man sich stellen muss. Eine Aufgabe der Fachfrau Betreuung ist es auch für Ordnung und Sauberkeit auf der Gruppe zu sorgen, dies macht Mal mehr und Mal weniger Spass.

Pascal: Die Schattenseiten des Berufs sind Schichtdienste, Wochenenddienste und personelle Engpässe, welche sich negativ auf die Betreuung der Bewohner auswirken können. Dazu kommt noch eine gewisse körperliche Belastung.

Andrina: Wie gesagt bringt der Beruf auch Herausforderungen mit sich. Mit physischer oder psychischer Gewalt konfrontiert zu werden, ist belastend. Ebenfalls schwierig ist zu sehen, wenn es einem Bewohner oder einer Bewohnerin nicht gut geht. Für solche Situationen haben wir geregelte Abläufe und auch Ansprechpersonen, die einen in herausfordernden Situationen unterstützen. Es ist wichtig, dass man lernt, sich abzugrenzen und die Arbeit hinter sich zu lassen, wenn man Feierabend hat. Der Beruf Fachfrau Betreuung in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung hat in der Gesellschaft einen nicht so hohen Stellenwert. Das finde ich schade. Oft muss man sich rechtfertigen, weshalb gut ausgebildete Betreuungspersonen wichtig sind.

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Was muss eine Lernende mitbringen, damit sie diesen Beruf erlernen kann?

Milena: Eine Fachfrau Betreuung arbeitet im Team mit verschiedenen Berufen sowie mit den Klienten. Eine der wichtigsten Kompetenzen ist sicherlich, dass die Person Freude am Umgang mit Menschen hat. Auch ist eine gewisse Belastbarkeit von Vorteil, um mit schwierigen Situationen umgehen zu können. Aber das Wichtigste ist die Freude gemeinsam mit den Klienten den Alltag zu gestalten und sie in ihrem Tun zu unterstützen.

„Ich denke, es braucht viel Selbst- und Sozialkompetenz“

Pascal

Selina: Primär ist es mal wichtig, dass man Freude, Menschlichkeit, Motivation, Flexibilität, Spontanität und viel Energie mitbringt. Alles andere lernt man an der Berufsschule oder direkt im Betrieb und während der Arbeit mit den zu betreuenden Menschen.

Andrina: Teamfähigkeit, Empathie und Reflexionsbereitschaft sind wichtige Eigenschaften als Fachfrau Betreuung. Ebenfalls muss sich eine Lernende bewusst sein, dass in unserem Beruf hauswirtschaftliche Tätigkeiten dazu gehören. Die Wohngruppe muss regelmässig gereinigt werden und je nach Wohngruppe wird auch das Abendessen selber zubereitet.

Claude: Ganz viel Empathie, Flexibilität und Geduld, die man für die Bewohner und Team benötigt. Eine Portion Selbstsicherheit und den Mut haben die eigene Meinung zu vertreten zu können, die Bereitschaft auch an seiner eigenen Persönlichkeit zu arbeiten, in dem man seine eigenen Muster analysiert.

Was würdet ihr einer Freundin, einem Freund raten, der sich für diesen Beruf interessiert?

Pascal: Mach ein Praktikum, wenn dir der Beruf dann immer noch gefällt, kannst du dir sicher sein, dass es das Richtige ist für dich.

Claude: Mehrmals einen Schnuppertag oder eine Schnupperwoche absolvieren, um möglichst ein einheitliches Bild zu bekommen. Jeder Mensch ist anders, entsprechend sind auch die Wohngruppen unterschiedlich. Zudem würde ich die Heimphilosophie gut anschauen den es gibt ganz unterschiedliche Ansätze wie man die Menschen mit Behinderungen begleitet.

„Bei mir war es so, dass ich sofort gespürt habe, dass es das ist was ich machen möchte.“

Milena

Andrina: Mit dem Beruf Fachfrau/Fachmann Betreuung kann man mit unterschiedlichem Klientel zusammenarbeiten. Es gibt die Fachrichtung Kinderbetreuung und die Fachrichtung Behindertenbetreuung. Je nach Behinderungsart unterscheidet sich die Arbeit der FaBe stark. Das Schnuppern war für mich eine wichtige Erfahrung. Ich konnte mir anfangs nur schwer vorstellen, was man in diesem Beruf genau macht, ob ich mir diese Arbeit zutraue und ob sie mir gefällt.

Milena: Auf einer Wohngruppe bekommt man die Möglichkeit einen Einblick in die Arbeit als FaBe zu erhalten. In einer Institution ist eine ganz andere Atmosphäre, als wenn man die Menschen mit speziellen Bedürfnissen ausserhalb der Institution sieht. Bei mir war es so, dass ich sofort gespürt habe, dass es das ist was ich machen möchte.

Wie erlebtet ihr die Ausbildung im Vivala?

Andrina: Für mich waren es drei sehr lehrreiche und kurzweilige Jahre. Ich fühlte mich während der Ausbildung in der Regel gut begleitet. Während der Lehre durfte ich die Berufsmaturitätsschule besuchen, dies war oft sehr anstrengend, doch bin ich dankbar für diese Möglichkeit und die Unterstützung des Betriebes.

Claude: Ich empfand die Ausbildung als anspruchsvoll, weil Theorie und Praxis sich teilweise nur bedingt verknüpfen lassen, und dabei zu erahnen welche Handlungsansätze die richtigen sind. Dabei konnte ich jederzeit mich auf das Team verlassen und konnte entsprechend Rückfragen stellen oder erhielt auch die Unterstützung.

„Ich habe die drei Jahre mit den Kindern sehr genossen.“

Selina

Selina: Die Ausbildung hier in der Stiftung Vivala war eine sehr lehrreiche und schöne Zeit. Ich habe die drei Jahre mit den Kindern sehr genossen. Durch die Berufsbildnerin wurde ich gut begleitet und unterstützt und ich werde vieles auf meinen weiteren Lebensweg mitnehmen.

Milena: Im Vivala hat die Ausbildung einen sehr hohen Stellenwert. Es wird sich sehr viel Zeit für die Ausbildung von Lernenden genommen. Auch empfand ich es als sehr angenehm, dass es mehrere Lernende in der Stiftung hatte, mit welchen man sich austauschen konnte.

Was ist vielleicht der Unterschied zu anderen Ausbildungsinstitutionen?
Milena: Im Vivala wechselt man jedes Jahr die Wohngruppe; dies ermöglicht einem einen Einblick in verschiedene Gruppen. Dabei lernt man verschiedene Gruppendynamiken, Handlungsgrundsätze sowie verschiedene Arten von Beeinträchtigungen kennen. Ich empfand dies als sehr positiv. Zudem haben wir einen Lernendentreff, dieser findet halbjährlich statt: Dabei können sich die Lernenden austauschen und den gemeinsamen Kontakt pflegen. Zudem haben wir als einzige Institution im Thurgau ein Lehrlingslager. Dabei geht jede Lernende/r mit einem Klienten eine Woche gemeinsam ins Lager. Für mich war das immer ein Höhepunkt im Jahr. Man durfte dabei eine Woche wie eine „richtige“ FaBe arbeiten. Auch konnte man den Kontakt zu den anderen Lernenden intensiv pflegen.

„Hier erarbeitet man alles selber, mittels Modelllehrgang, dabei wird man durch einen Berufsbildner unterstützt.“

Claude

Claude: In meiner ersten Ausbildung hatte ich viel mehr interne Kurse, wo man fachspezifische Fächer nochmals angeschaut hat und auf die eigenen Betriebsregeln eingegangen ist. Hier erarbeitet man alles selber, mittels Modelllehrgang, dabei wird man durch einen Berufsbildner unterstützt.

Selina: Das Vivala ist im Vergleich zu anderen Institutionen ein eher grösserer Betrieb und bietet daher auch mehr Weiterbildungen an, wie zum Beispiel den Kinästhetik-Grundkurs.

Pascal: Ich denke, dass man auf Grund des Gruppenwechsels mit vielen verschiedenen Behinderungsformen in Kontakt kommt und diese kennen lernt. Ich habe den Eindruck, dass dies nicht in allen Institutionen der Fall ist.

Andrina: In der Stiftung Vivala wechseln die Lernenden jedes Jahr die Wohngruppe. Somit hatte ich die Gelegenheit in den drei Jahren Lehre drei verschiedene Teams und drei Wohngruppen mit unterschiedlichen Bewohnern/Bewohnerinnen kennenzulernen. Diese Wechsel empfand ich als sehr lehrreich.

 

Vielen Dank an Milena, Andrina, Pascal, Selina und Claude für dieses Interview!

Lehrabschluss Fachleute Betreuung 2018