Tiergestützte Aktivitäten in der sozialpädagogischen Arbeit

#insidevivala, Glanzlichter

Simone hat im Rahmen ihres Studiums zur Sozialpädagogin HF für ihre Abschlussarbeit ein Projekt zum Thema „Tiergestützte Aktivitäten“ durchgeführt und dieses anschliessend schriftlich dokumentiert und ausgewertet.

„Die Idee zu diesem Projekt entwickelte sich aus meiner Überzeugung heraus, dass die Methode der Tiergestützten Aktivitäten eine spannende und abwechslungsreiche Interventionsmöglichkeit in der Alltagsgestaltung unserer Klienten sein kann. Tiere, ob Haus- oder Nutztiere spielen schon seit vielen Jahrhunderten eine wichtige Rolle für unsere Gesellschaft. Sie sind Teil unserer Kultur und unseres Alltags. Das Angebot wurde somit auch in die Alltagsgestaltung der Bewohner/ innen integriert. Durch die regelmäßigen und abwechslungsreichen Angebote wurde Bewegungsförderung ermöglicht, welche die Gesundheit und das Wohlbefinden der Teilnehmenden unterstützt und soziale Gruppenprozesse ebenfalls davon profitierten. „Tiere wirken ganzheitlich und stellen oft schon an und für sich eine Ressource dar. Ihr Einsatz lässt sich zudem mit weiteren Ressourcen verbinden. Für die gesundheitsfördernde Wirkung von Tieren gibt es zahlreiche Belege. Tiere bringen uns zum Lachen, können uns trösten und den Alltag beleben. Sie fördern – ganz im Sinne der WHO – körperliche, seelisch- geistige und soziale Gesundheit und sind damit ein wichtiger Faktor in Prävention, Rehabilitation und Salutogenese ganz allgemein. Tierkontakt wirkt unspezifisch und spezifisch. Er kann Menschen helfen, Krankheit zu überwinden oder gar nicht erst krank zu werden. Er kann Lebensqualität erhöhen und Leid lindern.“ (Germann- Tillman/ Merklin/ Stamm Näf 2019, S. 47)

Für mein Projekt zeigte sich, zu meiner großen Freude der Erlebnisbauernhof „Wannenwis“ in Waldkirch bereit mit dem Vivala zusammenzuarbeiten. In einem persönlichen Gespräch erfuhr ich, dass die Inhaber selbst schon seit einiger Zeit darüber nachgedacht hatten, ihre Angebote einem größeren Publikum zu ermöglichen. Das Projekt war somit also auch für sie eine gute Gelegenheit, erste Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Menschen mit einer Behinderung zu sammeln.

Die Projektnachmittage gestalteten sich immer sehr abwechslungsreich und die Teilnehmenden hatten sichtlich Freude in Kontakt mit verschiedensten Tierarten zu kommen. Die Tiergestützten Aktivitäten motivierten die Teilnehmenden auch auf ganz spielerische Art, sich an der frischen Luft zu bewegen. Gemeinsam wurde viel gelacht und zeitweise auch gestaunt, als wir mit ungewöhnlichen Tierarten in Kontakt kamen.

Nachfolgend noch ein paar Eindrücke unserer gemeinsamen Nachmittage.

20.10.2021

Heute hatten wir Projektstart und alle Bewohner/ innen der Wohngruppe nahmen daran teil. Die Teilnehmenden entschieden sich am Vortag für einen Spaziergang mit den Alpakas. Nach dem Mittagessen ging es gemeinsam los. Nach einer halben Stunde Fahrt kamen wir am Bauernhof an und wurden freundlich von den Mitarbeitenden begrüßt. Nachdem alle aus dem Fahrzeug ausgestiegen waren und uns erklärt wurde, welche Aktivitäten anstanden, ging es auch schon zum Alpakagehege. Dort warteten bereits vier Alpakas mit Halfter und Leine zum Spazieren gehen. Gemeinsam starteten wir dann zu einem einstündigen Spaziergang. Zurück auf dem Hof, hatten die Teilnehmenden anschließend noch Gelegenheit die Alpakas zu füttern. Auch die Begegnungen mit den Meerschweinchen sowie den Pferden und Schildkröten gefiel den Teilnehmenden gut. Nach dem zweistündigen Aufenthalt machten wir uns wieder auf den Rückweg ins Vivala, wo wir gegen 17.00 Uhr eintrafen. Zusammen ließen wir die Eindrücke des Tages noch einmal Revue passieren. Ein Teilnehmer informierte mich auch sogleich, dass er beim nächsten Mal gerne wieder mit dabei sein möchte.

10.11.2021

Wir starteten wieder nach der Mittagspause und machten uns auf den Weg zum Bauernhof. Wir parkten unser Fahrzeug am vereinbarten Treffpunkt, wo auch schon vier Alpakas und zwei Mitarbeitende des Hofs auf uns warteten. Nachdem alle ausgestiegen waren und wir eine kurze Einführung in den heutigen Nachmittag erhielten, spazierten wir los. Alle Teilnehmenden hatten Gelegenheit ein Alpaka zu führen. Die Teilnehmenden wirkten schon vertraut mit der Situation und hielten die Leine ihres Tieres selbstsicher in der Hand und marschierten los. Anfangs kamen wir problemlos vorwärts, bis wir auf einem Feldweg abbogen. Trotz einiger Hindernisse für die Rollstuhlfahrenden war die Stimmung gut und es wurde viel gelacht. Nach ungefähr einer Stunde Spaziergang erreichten wir wieder den Parkplatz unseres Fahrzeugs. Ein Mitarbeiter half den Rollstuhlfahrenden einzusteigen. Die anderen Teilnehmenden, die Mitarbeitenden des Hofs und ich liefen gemeinsam mit den Alpakas zu Fuß zurück zum Bauernhof.

Wie am Vormittag noch von einer Teilnehmerin gewünscht, folgte ein weiterer Besuch bei den Meerschweinchen. Eine Tierpflegerin holte ein Meerschweinchen, damit sie es streicheln konnte. Anschliessend bekam eine weitere Klientin noch die Gelegenheit eine Katze zu sehen, als diese über den Hof in unsere Richtung gelaufen kam. Die Katze liess die Berührungen problemlos zu und sich von ihren Streicheleinheiten verwöhnen.

Anschliessend machten wir uns wieder auf den Rückweg ins Vivala.

24.11.2021

Am Nachmittag des Projekttages fuhr ich diesmal nur mit zwei Teilnehmenden zum Bauernhof. Am heutigen Tag begleitete uns ein Mitarbeiter des Hofs während der Aktivitäten. Wir starteten mit Begegnungen zu den Pferden. Ein Teilnehmer entschied sich bereits am Vortag für die Pferde und einen Alpaka-Spaziergang. Die andere Teilnehmerin wählte für sich nur die Alpakas und kommunizierte dies mit Hilfe ihres Tablets, in dem sie auf die entsprechenden Bilder zeigte. Ihr wurde vor Ort aber ebenso das Angebot gemacht, auch mit zu den Pferden zu kommen, worauf sie einwilligte. Während der Begegnung hielt sie jedoch großzügigen Abstand und traute sich nicht in die Nähe. Der andere Teilnehmer zeigte sich hoch motiviert und hatte wieder Gelegenheit, mit Anleitung des Tierpflegers, das Pferd zu striegeln. Abschließend durfte die beiden das Pferd noch füttern.

Als nächstes gingen wir zum Alpakagehege und mit Unterstützung des Tierpflegers halfen beide den Tieren das Halfter anzulegen. Danach machten wir einen kurzen Spaziergang. Das Wetter verschlechterte sich zusehends und es fing leicht an zu regnen, weshalb wir entschieden wieder den direkten Rückweg zum Hof zu nehmen. Da wir noch etwa eine Stunde für weitere Aktivitäten zur Verfügung hatten, wurde den Teilnehmenden angeboten dabei mitzuhelfen, die Hängebauchschweine in ihr Wintergehege zu begleiten und es mit Stroh auszulegen. Beide stimmten zu.

Zum Abschluss hatten alle noch die Möglichkeit die Lemuren kennenzulernen und mit Bananen zu füttern. Das Wesen dieser Tiere ist sehr aufweckt und sie sind sehr neugierig. Die Tiere kamen auch zeitweise sehr nah zu den Klienten, so dass sie die Tiere auch anfassen konnten. Abgesehen vom schlechten Wetter, erlebten beide noch einen gelungenen und lustigen Abschluss des Nachmittags.

01.12.2021

Heute wurde der letzte Projektnachmittag durchgeführt. Leider zeichnete der Wetterbericht in den Tagen zuvor bereits ein düsteres Bild. Der 1.12. sollte leider ein kalter und verregneter Tag werden. Unsere Planung den Tag gemütlich mit Chili con Carne, Punch und Weihnachtsplätzchen am Lagerfeuer ausklingen zu lassen, stand unter keinem guten Stern. Im Team haben wir aus diesem Grund überlegt, den Ablauf anzupassen und das Abendessen nicht wie geplant auf dem Bauernhof durchzuführen, sondern wie bisher auf der Wohngruppe. Unser Vorhaben ein Lagerfeuer zu ermöglichen, wollte ich jedoch noch nicht ganz verwerfen und hoffte darauf, dass sich der angemeldete Regen in Grenzen hielt. Mit den Verantwortlichen des Bauernhofs vereinbarte ich, dass wir situativ entscheiden und abwarten wollten, wie sich das Wetter im Laufe des Nachmittags entwickelte. Die Angebote, welche für den letzten Projekttag zur Auswahl standen, wurden ebenfalls dem Wetter entsprechend angepasst. Zu den gewünschten Aktivitäten zählte auch diesmal wieder ein Alpaka-Spaziergang.

Als wir am Nachmittag wie gewohnt um halb drei ankamen, wurde den Teilnehmenden das Angebot gemacht, zu Beginn den Spaziergang mit den Alpakas zu unternehmen. Das Wetter war zu dieser Zeit noch regenfrei und wir wollten die Gelegenheit nutzen, um das Angebot noch realisieren zu können. Wir liefen diesmal eine Strecke von etwa fünfzehn Minuten. Der Spaziergang verlief gut und alle Teilnehmenden zeigten mit ihrem Lachen, dass ihnen die Aktivität gefiel. Zurück auf dem Hof, halfen alle gemeinsam mit, die Alpakas wieder zurück in ihr Gehege zu bringen. Als nächstes folgte die Begegnung mit den Pferden. Die Teilnehmenden durften unter Anleitung ein Pferd striegeln. Diesmal traute sich sogar jene Teilnehmerin in die Nähe der Pferde und striegelte mit meiner Unterstützung für eine paar Minuten eines der Tiere, welche zuvor ihnen gegenüber unsicher und ängstlich war. Dieser Moment war sehr eindrücklich und schön, da die Klientin offensichtlich ihre Unsicherheit gegenüber den Tieren abbaute und sich das erste Mal traute einem Pferd näher zu kommen und es sogar anzufassen. Inzwischen fing es an zu regnen und der Wind nahm an Stärke zu.

Wir beendeten den Besuch bei den Pferden und machten uns auf den Weg in das Tropenhaus. Die Klienten durften eine weiße Schlange kennenlernen und sie auch berühren. Der Tierpfleger öffnete auch wieder für einen Moment das Lemuren-Gehege, so dass die Tiere herauskommen und die Teilnehmenden ihnen sehr nah sein konnten. Mit Hilfe von Futterschalen wurden Bananen gefüttert und zeitweise ließen sich die Tiere auch anfassen. Draußen regnete es inzwischen sehr stark und ich besprach mich mit dem Mitarbeiter des Hofs bezüglich Lagerfeuer. Unter diesen Bedingungen schien es uns unmöglich, dem Wunsch der Teilnehmenden nachzukommen. Der Mitarbeiter schlug eine Alternative vor, welche es uns trotzdem noch ermöglichen sollte, ein Feuer zu entfachen. Er organisierte ein Art Feuertonne mit Rohr. Gemeinsam machten wir uns mit den Teilnehmenden auf den Weg zu einer Terrasse, welche über ein Dach vom Regen geschützt war. Trotz dem inzwischen sehr stürmischen und kalten Wetters, war es uns doch noch möglich den Projektabschluss mit Punsch und Weihnachtsplätzchen, um ein warmes Feuer zu genießen. Den Teilnehmenden schien das Improvisieren wenig zu stören. Es wurde immer noch gelacht und die Stimmung war gut. Nachdem die Getränke leer und die Plätzchen gegessen waren, verabschiedeten wir uns wieder von den Mitarbeitenden des Hofs. Trotz den etwas ungünstigen Bedingungen, äußerten sich wieder alle Bewohner/ innen über den letzten Tag positiv. Anschließend machten wir uns auf den Rückweg ins Vivala.

Zurück in der Institution, wartete schon ein Teamkollege mit einem warmen Chili con Carne auf uns. Gemeinsam ließen wir so noch den letzten Projekttag gemütlich ausklingen.“