Wer hinter der Räuberjagd Weinfelden steckt

#insidevivala, Dabei sein, Ein Blick hinter die Kulissen

Marlies, Gaia und Ramona, drei junge Fachfrauen Betreuung, haben im vergangenen Jahr das Projekt «Räuberjagd Weinfelden» lanciert. Entstanden ist die Idee in der Coronazeit. 2022 findet die turbulente Schnitzeljagd erneut statt. Im Interview berichtet Marlies, wie sie und ihre Kolleginnen die «Räuberjagd» erfunden und weiter entwickelt haben.

Wie seid ihr darauf gekommen, eine «Räuberjagd» rund ums Vivala durchzuführen?

Die Idee kam während der Coronazeit auf, als viele Freizeitangebote nicht mehr möglich waren. Wir besuchten den Trail in Romanshorn und Umgebung und dachten: «Hey, das wär’ doch was!» Schlussendlich haben wir zu dritt die Idee «Räuberjagd» weiterentwickelt. Ein Ziel war auch, dass wir das Vivala den Menschen in Weinfelden und Umgebung näherbringen und Begegnungen ermöglichen.

Wie hat sich dieser Prozess gestaltet?

Jede von uns dreien bringt ihre Kompetenzen mit ein und sorgt so für ein gutes Ganzes. Ich bin sehr praktisch veranlagt, Ramona denkt sich die Geschichten aus und Gaia ist fürs Korrektorat der Posten zuständig. Selbstverständlich machen wir alles gemeinsam, damit wir auf gute Lösungen kommen. Das sehr gute Feedback von 2021 hat uns beflügelt, dass wir nochmals Anpassungen machen konnten.

Was hat sich denn verändert im Vergleich zum letzten Jahr?

Der Start ist nun im Vivala selbst. Der Trail ist etwas kürzer. Selbstverständlich haben wir beliebte Postenaufgaben wie das «Rollstuhl fahren» belassen. Wir arbeiten wieder mit QR-Codes, mit denen die TeilnehmerInnen die Aufgaben lösen können. Dieses Jahr waren wir zusätzlich vor die Aufgabe gestellt, den Trail rund um unsere Baustelle zu planen. Ich denke, es ist uns aber sehr gut gelungen!

Die «Räuberjagd» findet zu einem grossen Tag auf dem Gelände vom Vivala statt. Ihr seid ja alle auf der Kinderwohngruppe 8 tätig. Wie habt ihr in eure Vorbereitungen die Kinder und Jugendlichen der Wohngruppe einbezogen?

Die Kinder und Jugendlichen waren mit uns unterwegs, um die verschiedenen Wege abzulaufen. Zwei Jugendliche halfen mit, die Posten aufzubauen. Die WG 8 ist dieses Mal ein wichtiger Teil der Geschichte. Die TeilnehmerInnen des Trails sind nämlich vor die Aufgabe gestellt, den Räuber verschiedener wichtiger Gegenstände der Kinder und Jugendlichen zu finden. Letztes Jahr haben die Kinder und Jugendlichen auch den Sieger der Räuberjagd per Los erkoren und den Preis überreicht.

Für welche TeilnehmerInnen eignet sich die «Räuberjagd Weinfelden»?

Der Trail ist bis auf einen Posten barrierefrei. Jede und jeder, die Lust hat, kann teilnehmen, ganz egal ob jung oder alt, mit oder ohne Beeinträchtigung. Wir freuen uns auf viele weitere spannende Begegnungen im Vivala!

Die Räuberjagd findet noch bis und mit Mittwoch, 17.8. statt. Ihr findet die „Räuberjagd Weinfelden“ auch auf Facebook.

Kurzer Gruss aus dem Spital

#insidevivala, Ein Blick hinter die Kulissen, Segeltörn

Kurzer Gruss aus dem Spital – Sygehus – in Svendborg: Stefan geht es gut, sein Fuss schmerzt schon lange nicht mehr. Er wartet ganz ruhig auf die heutige Stabilisationsoperation. Der Bruch wird nochmals gerichtet, das Bein von aussen mit Schienen stabilisiert. Damit ist er dann flugbereit und kann am Samstag mit Hilfe der REGA in die Schweiz fliegen. Ein abrupter Abschluss vom Segeltörn für ihn. Er hat sich riesig auf das Abenteuer gefreut, nimmt es aber auch gut hin: „So isch es jetzt halt wieder“. 

Im Spital essen wir zusammen, wobei ich mein Essen jeweils mitbringe. Als ich gestern an meinem Salat knabberte, meinte er ganz trocken „Das isch gut für dich, musst abnehmen“. Ich teilte ihm „frecher Hagel“ aus – woraufhin er meinte, „das isch nöd frech, das isch d`Wahrheit“. Ja, wo er recht hat, hat er recht. Mein Dessert hat er dann genüsslich mit mir geteilt, ohne weitere Mahnfinger. 

Ich versuche mich gut zu erholen. Nachts zu schlafen im Hotel, das genau am Bahnhof liegt – mit Festgetöse vom Turnfest mit 50000 Besuchern, also schön mittendrin – geht gut, solange es lärmig ist. Ich erwache, wenn es ruhiger wird, gegen 4h, damit ich meinen Arbeitskollegen auf dem Schiff bald wieder etwas entlasten kann. Momentan haben sie die Betreuung von „meinen“ Bewohnern übernommen. Laut Dave geht es allen bombastisch gut, was ich auch glaube und mich sehr freut. So kann ich ganz ruhig Stefan begleiten, dafür schauen, dass er sich – auch wenn ich bald weg bin – gut beschäftigen kann. 

Ich geniesse jeden Moment, ob auf hoher See, im Hafen, im Sygehus und – vielleicht ganz speziell – auf dem kleinen Spezialschnellboot. Dies ist ein wunderbares Abenteuer – Bewohner und Personal auf Augenhöhe, es braucht jeden um weiterzukommen und um es gut zu haben zusammen.

Wiveka Schäfli, andante Steckborn

Logbuch-Eintrag 2 vom 29.6.2022: Bagenkop – OmØ

#insidevivala, Ein Blick hinter die Kulissen, Segeltörn

Sturz und fliegender Wechsel

8.30h : Auf beiden Schiffen wird ein Frühstücksbuffet auf dem Tisch gezaubert. Gestern haben wir das Taxi für Stefans Transport zum Spital Svenborg bestellt, damit wir heute um 7.30h abfahren konnten. Stefan hatte nämlich sich gestern beim Segelsetzen seinen Fuss verletzt, indem er nach hinten stapfte und einen Absatz von 50 cm übersehen hatte. Dabei fiel er unglücklich hin und klemmte seinen Fuss ein. Im Spital wird ein Bruch bestätigt. Die Abklärungen ergeben, dass er bleiben muss und die Reise nicht weiterverfolgen kann. Dave beordert Wiveka ins Spital, somit kann er – leider ohne Stefan -zurück aufs Schiff. Mit dieser Lösung ist Stefan nicht lang allein im Spital und es kann alles Weitere in Ruhe organsiert werden. Die Elegant hat unterdessen weit vor Spodbjerg geankert und Wiveka wird von Herman mit dem Rettungsbeiboot ans Land «gespeedet». Dave kann nun wieder mit Herman zurück aufs Segelschiff fahren. Eine sportliche Aktion bei ordentlichem Wellengang und es verleiht dem Wort «Eiertütschen» neue Dimensionen. Um 17.00h klettern wir ziemlich nass und mit einem Adrenalin-High wieder auf die Elegant – zu dem Zeitpunkt ist Wiveka bereits im Spital angekommen. Stefan trägt sein Schicksal mit Fassung – er wird bald die Rückreise in die Schweiz antreten.

Wind

Die Schiffe nehmen schön Fahrt auf. Beide Schiffe fegen mit voller Besegelung Richtung Omö, wir laufen etwa um 19.30h ein. Während des Essens werden alle auf den neuesten Stand gebracht betreffend Stefan, auch das Programm für morgen wird besprochen. Wir legen erst um die Mittagszeit ab, somit kann ausführlich der schöne Badestrand genossen oder einfach mal nichts getan werden. Es läuft ja immer etwas und immer auch mal etwas krumm oder dumm. Hier braucht man echt keine Unterhaltung suchen… Es folgt ein unwahrscheinlich schönes Abendrot, richtig dunkel wird es gar nicht – dafür tiefblau. Was für ein Schauspiel!

Teambildung

Eine kurze Evaluationsrunde tut gut. Während wir uns vor der Elegant auf der Mole sitzend besprechen, wie wir uns – auch bei aussergewöhnlichen Belastungen – möglichst gut im Schuss halten, stellt sich auf dem Schiff selber ein spannendes Bild ein: Wo sind die Betreuer? Ein erstes Fläschli fliegt über Bord und es führt zu heftigen Diskussionen unter den – in dem Moment eben nicht betreuten Teilnehmenden – sie regeln es irgendwie unter sich. Nein, nicht petzen, du…! Teambildung eben.

Logbuch-Eintrag 1

#insidevivala, Glanzlichter, Segeltörn

Liebe Törn-Followers und Believers!

Nachdem wir gestern in Kiel die beiden Segelschiffe mit Menschen, Proviant und ordentlichen Mengen an Gepäck befrachtet haben, ging’s dann los.

Bedingungen schaffen…
Aber nicht mit Seglerei, sondern unter Berücksichtigung aktueller Verhältnisse vor Ort muss sich die Projektleitung die Personenzuteilungen neu überlegen. Da wir uns zum ersten Mal dafür entschieden haben, einen Rollstuhlfahrer mitzunehmen, gilt es nun optimale Bedingungen zu schaffen und dies im Endkonsequenz zu vollziehen ohne Wenn und Aber. Das zieht eine Rochade mit sich.

Das «Fishmonster» wurde besiegt
Unterdessen rechnet Dave endgültig ab mit «Wir haben Fisch nicht gern, Idefix» und schafft für alle Passagiere Pumpernickelhäppli mit Matjes und Zwiebel heran. Gar nicht erst möglich, damit auf die Schiffe zu kommen. Es wird ihm wortwörtlich aus der Hand gerissen und verschlungen. Die Meeresbrise zeigt bereits seine magische Wirkung! Die Fischbudenverkäuferin bekam glänzende Augen bei der Auftragserteilung: Fischhäppli für zwei Schiffe macht man eben gerne parat!

Wir sind zum Segeln da und legen ab
Zu den Windverhältnissen: Es herrscht zunächst Flaute, später wird es etwa anfrischen. Somit machen wir zunächst eine Hafenrundfahrt und besichtigen wasserseits das wunderschöne Schulschiff «Korch Fock».

Keine Weichspülkapitäne und Landratten
Weiter geht’s nach Laboe, einem Badeort in der Kieler Bucht. Unterdessen kommt richtig Wind auf. Um die Schiffe in den sehr kleinen Hafen zu bringen, gibt’s ein durchaus interessantes Manöver. Das Schiff positioniert sich quer zum Kopfsteg und lässt sich vom Wind mittig heran pressen. Unter Festmachung einer Leine kann nun mit vollem Motoreinsatz das Heck rückwärts in den Hafen bewegt werden. Die Leine ist so platziert, dass sich das Schiff an die Mole drückt. Mit einer Spring und weiteren Festmachern ist dann die Sache fix. Die Niederländer, bekannt für dieses Manöver mit sehr einfacher Motorisierung, zeigen diese Seemannsfertigkeiten mit Stolz und lachen laut über Modernisierungen wie Bugstrahlruder und Co… Das ist alles eher was für Weichspülkapitäne und Landratten.

Teamwork
Auf beiden Schiffen werden erste Erfahrungen gesammelt: Was können wir leisten? Wer befindet sich wo am besten und am sichersten an Bord? Welche Situationen brauchen besondere Aufmerksamkeit? Kochen, schauen, unterstützen, freuen und Spass haben, grosse und kleine Sorgen teilen – wir packen das gemeinsam an. Auch hier findet eine Art Sortierung statt. Wichtig: Wir lassen das Gewohnte zunächst mal an Land und arbeiten diese Reise übergreifend und dort, wo es einen gerade braucht.

Ein starker Spruch
Nach einem frühmorgendlichen Schwumm am Laboer Badestrand – auch Shaline macht mit und später gefolgt durch Aleksandar- laufe ich wieder Richtung Badetuch. Ich lese grossgeschrieben an der Betonkante «Probleme kann man nicht lösen mit der gleichen Denkart, wodurch diese entstanden sind». Ein Mottosatz, der passt wie die Faust aufs Auge.

Alle fit für das grosse Abenteuer
Dave und die beiden Skipper haben sich auf Route und Eigenschaften geeinigt, mit einen Koffer voller Optionen – weil es bekanntlich selten so kommt, wie man denkt. Aber ohne Ziele kommen wir nirgendwo hin. Nach einem guten Frühstück setzen wir um 10.00h Kurs nach Bagenkop, Dänemark und verlassen bald deutsche Gewässer. Alle sind gut drauf, etwas eingeschwungen und eingeschwabbelt, Leinen los…
Martin ist laut, sehr laut und schreit phasenweise pausenlos. Ich setze mich neben ihn, und wir schauen uns gemeinsam an, was so rund um uns passiert. Es ruhiget. Auch in mir. Danke, Martin. Jetzt bin ich parat. Let’s go.


28.6.22, Dave Siddiqui

Wir stechen in See!

Segeltörn

Hier im Blog findet ihr in den nächsten 10 Tagen Bilder und Berichte von unserer Segelreise in der Ostsee. Wir freuen uns auf eure Feedbacks und Fragen!

Wir schaffen die letzten Kisten Proviant an Bord und dann gehts los…

Workshops „Unterstützte Kommunikation“ im Vivala

Allgemein

Kommunikation ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Die Unterstützte Kommunikation ist ein wichtiges Hilfsmittel für unsere Bewohnerinnen und Bewohner im Vivala. Dabei können auf diverse Arten Kompetenzen erworben werden. Dies ist mit viel Arbeit, stetiger Überprüfung und Zeit verbunden.  

Gemeinsam kommen wir Schritt für Schritt weiter und können uns entwickeln.

Der UK-Workshop findet in regelmässigen Abständen statt. Dabei treffen sich die UK-Verantwortlichen der einzelnen Wohn- und Tagesstrukturgruppen des Bereichs Erwachsene. Diese bilden sich regelmässig im Bereich UK weiter, dies auch in Zusammenarbeit mit den Fachpersonen des Kinderbereichs.

Gemeinsam arbeiten wir an einer Struktur, die für die Mitarbeitenden als Grundgerüst oder Leitlinie dienen soll und die Bewohnerinnen und Bewohnern unterstützt, sich auszudrücken. Ein aktuelles Thema ist die einheitliche Beschriftung in den Räumen, Gebäuden wie auch auf Hilfsmitteln, wie iPads und Talkern. Dies dient der Orientierung und gibt Sicherheit. Die Workshops sind auch eine Plattform für Austausch, Inputs, Erfahrungen weitergeben und/oder sammeln, aktuelle Herausforderungen anschauen und nach Lösungen suchen.

Wir arbeiten gemeinsam daran, die Selbständigkeit unserer Bewohnerinnen und Bewohner zu erhöhen, Teilhabe zu ermöglichen und das soziale Miteinander durch Kommunikation zu stärken.  

Valeska Cerf

Mitgestalten und teilhaben: Unser Lehrlingslager

#insidevivala, Dabei sein, Ein Blick hinter die Kulissen, Lernen im Vivala

Seit vielen Jahren findet jeweils im Oktober ein «Lehrlingslager» statt. In dieser Woche gestalten unsere Lernenden, angehende Fachpersonen Betreuung, gemeinsam mit ihren Bewohnerinnen und Bewohner ein Ferienangebot. Begleitet werden sie dabei von ausgebildeten Fachpersonen.

Alina und Sina, beide haben im August 2021 mit ihrer Ausbildung zur Fachfrau Betreuung begonnen, schildern hier ihre persönlichen Eindrücke und Erfahrungen:

«Das Lehrlingslager fand in den Herbstferien 2021 statt. Wegen Corona konnte das Lager nur bedingt so gestaltet werden wie in den Vorjahren. Wir machten diverse Tagesausflüge vom Vivala aus und nutzten die Gelegenheit um die anderen BewohnerInnen wie auch Lernenden besser kennenzulernen.

Tag 1: Der erste Tag fand ohne BewohnerInnen statt. Wir trafen uns in der Oase gemeinsam mit Sandro und Melissa. Dort erhielten wir diverse Informationen zu der Woche, wie sie aussehen wird und was unsere Aufgabe ist. Kurz darauf erhielten wir den Auftrag einen Kinoabend für Donnerstag zu arrangieren. Es war eine gute Gelegenheit, um die anderen Lernenden kennenzulernen. Wir teilten unsere Aufgaben auf und fingen an zu organisieren.

Tag 2: Am zweiten Tag durften nun auch die BewohnerInnen am Programm teilnehmen. Wir machten eine Schnitzeljagd durch Weinfelden und wurden am Mittag mit Pizza belohnt. Den Nachmittag durften wir alle individuell mit den BewohnerInnen gestalten. Wir teilten uns in zwei Gruppen auf und starteten in das Nachmittagsprogramm. Die eine Gruppe blieb im Vivala und machte einen gemütlichen Filmnachmittag, während die anderen nach Weinfelden gingen.

Tag 3: Den Mittwochmorgen durften wir noch einmal frei gestalten. Hauptsächlich nutzten wir ihn, um die Einkäufe für den Kinoabend zu erledigen. Die einen gingen einkaufen, während die anderen einen kleinen Spaziergang machten. Als die Einkaufsgruppe zurückkam, backten wir einen Bananenkuchen. Es war spannend zu sehen, wie viel die BewohnerInnen selber können und wie oft wir sie auch unterschätzen. Am Mittag stärkten wir uns noch einmal auf der WG, bevor wir am Nachmittag gemeinsam «öpflä» gingen. Wir halfen fleissig, alle Äpfel aufzusammeln und in die Container zu werfen. Selbst die RollstuhlfahrerInnen durften mithelfen und hatten einen riesigen Plausch. Am Schluss wurden wir mit frischgepresstem Apfelsaft belohnt.

Tag 4: Heute war Kinoabend angesagt. Wir assen auf der Wohngruppe Zmittag und haben uns dann wieder in der Oase getroffen. Dort wurden dann noch die letzten Vorbereitungen für den Abend erledigt. Es wurde eingekauft, umgestellt und Essen zubereitet. Am Abend trafen dann nach und nach alle BewohnerInnen ein und wir schauten gemeinsam Mr. Bean. Der Abend war definitiv ein Erfolg, alle BewohnerInnen und auch die BetreuerInnen schienen es zu geniessen.

Tag 5: Am fünften und auch letzten Tag sind wir gemütlich gestartet. Wir trafen uns um 10:00 in der Oase zum Brunch. Es war ein schöner Abschluss dieser aussergewöhnlichen Woche. Wir genossen alle den gemütlichen Start in den Tag und das letzte Zusammensein dieser Woche. Am Nachmittag gingen die BewohnerInnen wieder auf ihre Wohngruppen und wir Lernenden reflektierten gemeinsam mit Sandro und Melissa die vergangene Woche. »

Alina und Sina

Ferienwoche in Cannobio. Ein Rückblick

#insidevivala, Dabei sein, Ein Blick hinter die Kulissen, Glanzlichter

Eine Ferienwoche für Menschen mit Beeinträchtigung will gut organisiert sein. Doch nicht nur Organisation ist wichtig, es braucht Freude am Tun, Neugier und Humor. Die beiden erfahrenen, langjährigen Betreuer Peter und Peter beschreiben hier ihre Erfahrungen.

Samstag, 11.09.21

Am Nachmittag Ankunft in Cannobio, Zimmer verteilen, Koffer auspacken, Betten richten und im Anschluss eine kurze Siesta nach der langen anstrengenden Fahrt. Am Abend gibt es ein feines Abendessen im Restaurant unten im Haus. Gegen 21:00 Uhr müde zu Bett gegangen. Auch unser tapferer Bus hat einen schönen und sicheren Platz in der Hofeinfahrt bekommen.

Sonntag, 12.09.21

Am Morgen Einkauf im nahegelegenen Einkaufsmarkt fürs Frühstück. J. geht mit, da er die grösste Freude dabei hat und vor allem Erfahrung von den Einkäufen zu Hause. Auch die nächsten Tage möchte J. immer wieder dabei sein. Am Vormittag Besuch des Marktes in Cannobio entlang des Lago Maggiore. Die Bewohner kaufen sich mit viel Begeisterung an den Ständen Dinge ein, die ihnen gefallen. Anschl. noch ein Stadtbummel durch die schöne Altstadt von Cannobio. Abends gehen wir wieder fein essen, überwiegend Pizza und Spaghetti.

Montag, 13.09.21

Nach einem ausgedehnten Brunch machen wir einen Spaziergang durch die Altstadt und die Promenade entlang. Nach einer Stunde zeigt F. Ermüdungserscheinungen, ein Weiterlaufen ist deswegen nicht mehr möglich. Mit letzter Kraft schaffen wir es ins Haus zurück. F. benötigt mehrere Stunden, um wieder richtig wach zu werden.

Dienstag, 14.09.21

Für heute haben wir uns vorgenommen, einen längeren Fussmarsch durchzuführen, um den ortsnahen Campingplatz Riviera zu besuchen. F. ist wieder so weit hergestellt, dass er gut mitlaufen kann. Dort angekommen, haben wir uns mit Cola und Kaffee gestärkt und sind die ganze Strecke am See entlang wieder zurückgelaufen. Je eine kleine Portion Spaghetti lässt uns wieder zu Kräften kommen. Am Abend Abschluss des Tages im hauseigenen Restaurant La Prace.

Mittwoch, 15.09.21

Wetterumschwung ist angesagt. Schon Tage zuvor wissen wir, was auf uns zukommt. 100 % Regenwahrscheinlichkeit. Bereits am Morgen ist der Himmel durchgängig grau in grau. Wir lassen uns jedoch davon nicht abschrecken und machen das Beste daraus. Gegen 10:00 Uhr setzt Starkregen ein. Erst ab dem frühen Nachmittag können wir einen Stadtbummel machen. M. kauft sich eine Jacke und wir können doch noch an der Strandpromenade etwas Trinken gehen. Am Abend geniessen wir das Essen in «unserem» Restaurant.

Donnerstag, 16.09.21

Auch für heute ist wieder Regen angesagt, der jedoch erst am Abend einsetzt, was uns natürlich sehr freut. Nach einem ausgedehnten Brunch geht es durch die Altstadt und zur Strandpromenade. An einen längeren Spaziergang, wie die Tage zuvor, ist nicht zu denken. M. klagt vorzu über Schmerzen in den Beinen. Deshalb schlendern wir gemütlich durch die Altstadtgassen nach Hause. Gegen Abend gehen wir das letzte Mal in unser Lieblingsrestaurant fein Essen und verabschieden uns vom sehr freundlichen Personal.

Freitag, 17.09.21

Die ersten Bewohner sind bereits früh am Morgen wach, denn sie wissen, dass es auf grosse Fahrt nach Hause geht. Nachdem alle Koffer gepackt und im Bus verstaut sind, fahren wir nach Übergabe des Hauses los. Wir lassen uns viel Zeit und geniessen die schöne Landschafft, die an uns vorüberzieht. Unterwegs geht’s noch in ein Restaurant fein essen, bis wir schliesslich gegen 16:30 Uhr wieder zu Hause sind.

Im Nachhinein war es ein rundum gelungenes Ferienlager. Es gab weder Spannungen noch schwierige Situationen unter den Bewohnern. Wir Betreuungspersonen sind stolz, dass wir den Bewohnern ein, in der kurzen Zeit unvergessliches Ferienlager ermöglichen konnten.

Kommunikation als Chance

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Was bedeutet es für einen Menschen mit Beeinträchtigung, während vieler Wochen den Kontakt mit der eigenen Familie nicht pflegen zu können? In den letzten Wochen waren in den verschiedensten Medien Berichte zu lesen, wie anspruchsvoll die aktuelle Situation für Menschen ist, die in Institutionen leben und vom Besuchsverbot betroffen sind.

Im Vivala leben 52 erwachsene Menschen mit einer schweren Beeinträchtigung. Viele von ihnen können sich mit Hilfe von unterstützter Kommunikation ihrem Umfeld mitteilen. In ihrer Familie werden sie aber oftmals auch ohne verbale Äusserung verstanden. In Zeiten, wo sie nicht mehr nach Hause können, wiegt dies schwer.

Seit über zwei Jahren läuft im Vivala ein Projekt, das Menschen mit mehrfachen Beeinträchtigungen und ohne verbale Sprache hilft, in Kontakt mit ihren Angehörigen zu bleiben. Susanne Meyer * ist 30 Jahre alt. Sie ging bereits hier in die Schule und lebt seit 12 Jahren im Bereich Wohnen Erwachsene. Frau Meyer hat eine sehr starke körperliche Beeinträchtigung und kann lediglich ihren linken Arm bewegen. Es ist ihr nicht möglich, einen Telefonhörer zu halten und so mit ihrer Familie zu telefonieren.

Mit Unterstützung ihrer Betreuerin kann sie nun den Kontakt mit ihren Eltern, die sie sehr vermissen, aufrecht erhalten. Die Betreuerin begleitet Frau Meyer während des Telefonats, da sie nicht sprechen kann. Frau Meyer hört sehr aufmerksam zu, wenn die Betreuerin ihren Eltern erzählt, was sie in den letzten Tagen erlebt hat.

Manchmal lacht Frau Meyer und man merkt, dass sie die Stimmen ihrer Eltern erkennt und sie ihnen zuhört. Gerade in diesen schwierigen Zeiten ist es wichtig, dass Menschen den Kontakt zu ihren Familien halten können.

Auf die Frage, wie die Eltern den Einsatz vom Tablet für die Kommunikation mit Susanne Meyer erleben, antworten sie: „Dass wir die Möglichkeit haben, mit unserer Tochter Kontakt zu halten, macht uns sehr glücklich. Zu sehen, wie sie auf unsere Stimmen reagiert, in ihre Augen zu blicken, ihr Lächeln zu sehen und ihre Stimme zu hören.“ Die Qualität dieses Kontakts liegt für die Eltern auch darin, dass sie sich direkt informieren können, wie es ihr geht und wie sie aussieht. Manchmal gibt es natürlich auch schwierige Situationen, beispielsweise dann, wenn die Internet-Verbindung wackelt und es zu einem Verbindungsunterbruch kommt.

Andreas Illenberger, der pädagogische Leiter der Schule, berichtet, was die aktuelle Situation für die Lehrpersonen im Vivala bedeutet: „Der Unterricht findet seit vielen Wochen, wie bei allen Thurgauer Schulen, via Homeschooling statt. Aber es gibt natürlich auch Kinder, die das nicht können. Die Eltern sind erhöht belastet und es erfordert ein Abwägen. Vivala macht aber auch Betreuungsangebote an der Schule, allerdings dürfen nicht zu viele Menschen gleichzeitig anwesend sein.“

In den Tagen vor dem Lockdown haben er und sein Team nochmals alle Hebel in Bewegung gesetzt, um Geräte mit Taster oder mit Augensteuerung für die betreuten Schüler, aber auch erwachsene Bewohnerinnen und Bewohner, fertig zu stellen. Diese Geräte unterstützen die Menschen mit Beeinträchtigung beim barrierefreien Bedienen von Tablets, beispielsweise wenn sie auf Youtube Musik oder einen Film schauen wollen.

Gibt es in der ganzen Situation, die wir so alle noch nie erlebt haben, auch positive Momente? Andreas Illenberger bejaht. „Die Corona-Krise hat die Digitalisierung, auch im Vivala, weiter vorwärts gebracht. Mit einem Mal werden Video-Konferenzen selbstverständlich. Dies ist kein Verlust, sondern ein Gewinn und es stellt sich die Frage, welche Punkte man ebenfalls digitalisieren könnte.“

Doch Andreas Illenberger sieht auch kritische Punkte: „Fortschritte und Förderung brauchen mehr Nähe. Es ist wichtig, die Kinder bei ihren Entwicklungs- und Lernfortschritten gut begleiten zu können.“

Er hält auch fest: „Krisen erhöhen die Resilienz. Sie machen, uns alle, widerstandsfähiger.“

*Name geändert