Kommunikation als Chance

#insidevivala, Dabei sein

Was bedeutet es für einen Menschen mit Beeinträchtigung, während vieler Wochen den Kontakt mit der eigenen Familie nicht pflegen zu können? In den letzten Wochen waren in den verschiedensten Medien Berichte zu lesen, wie anspruchsvoll die aktuelle Situation für Menschen ist, die in Institutionen leben und vom Besuchsverbot betroffen sind.

Im Vivala leben 52 erwachsene Menschen mit einer schweren Beeinträchtigung. Viele von ihnen können sich mit Hilfe von unterstützter Kommunikation ihrem Umfeld mitteilen. In ihrer Familie werden sie aber oftmals auch ohne verbale Äusserung verstanden. In Zeiten, wo sie nicht mehr nach Hause können, wiegt dies schwer.

Seit über zwei Jahren läuft im Vivala ein Projekt, das Menschen mit mehrfachen Beeinträchtigungen und ohne verbale Sprache hilft, in Kontakt mit ihren Angehörigen zu bleiben. Susanne Meyer * ist 30 Jahre alt. Sie ging bereits hier in die Schule und lebt seit 12 Jahren im Bereich Wohnen Erwachsene. Frau Meyer hat eine sehr starke körperliche Beeinträchtigung und kann lediglich ihren linken Arm bewegen. Es ist ihr nicht möglich, einen Telefonhörer zu halten und so mit ihrer Familie zu telefonieren.

Mit Unterstützung ihrer Betreuerin kann sie nun den Kontakt mit ihren Eltern, die sie sehr vermissen, aufrecht erhalten. Die Betreuerin begleitet Frau Meyer während des Telefonats, da sie nicht sprechen kann. Frau Meyer hört sehr aufmerksam zu, wenn die Betreuerin ihren Eltern erzählt, was sie in den letzten Tagen erlebt hat.

Manchmal lacht Frau Meyer und man merkt, dass sie die Stimmen ihrer Eltern erkennt und sie ihnen zuhört. Gerade in diesen schwierigen Zeiten ist es wichtig, dass Menschen den Kontakt zu ihren Familien halten können.

Auf die Frage, wie die Eltern den Einsatz vom Tablet für die Kommunikation mit Susanne Meyer erleben, antworten sie: „Dass wir die Möglichkeit haben, mit unserer Tochter Kontakt zu halten, macht uns sehr glücklich. Zu sehen, wie sie auf unsere Stimmen reagiert, in ihre Augen zu blicken, ihr Lächeln zu sehen und ihre Stimme zu hören.“ Die Qualität dieses Kontakts liegt für die Eltern auch darin, dass sie sich direkt informieren können, wie es ihr geht und wie sie aussieht. Manchmal gibt es natürlich auch schwierige Situationen, beispielsweise dann, wenn die Internet-Verbindung wackelt und es zu einem Verbindungsunterbruch kommt.

Andreas Illenberger, der pädagogische Leiter der Schule, berichtet, was die aktuelle Situation für die Lehrpersonen im Vivala bedeutet: „Der Unterricht findet seit vielen Wochen, wie bei allen Thurgauer Schulen, via Homeschooling statt. Aber es gibt natürlich auch Kinder, die das nicht können. Die Eltern sind erhöht belastet und es erfordert ein Abwägen. Vivala macht aber auch Betreuungsangebote an der Schule, allerdings dürfen nicht zu viele Menschen gleichzeitig anwesend sein.“

In den Tagen vor dem Lockdown haben er und sein Team nochmals alle Hebel in Bewegung gesetzt, um Geräte mit Taster oder mit Augensteuerung für die betreuten Schüler, aber auch erwachsene Bewohnerinnen und Bewohner, fertig zu stellen. Diese Geräte unterstützen die Menschen mit Beeinträchtigung beim barrierefreien Bedienen von Tablets, beispielsweise wenn sie auf Youtube Musik oder einen Film schauen wollen.

Gibt es in der ganzen Situation, die wir so alle noch nie erlebt haben, auch positive Momente? Andreas Illenberger bejaht. „Die Corona-Krise hat die Digitalisierung, auch im Vivala, weiter vorwärts gebracht. Mit einem Mal werden Video-Konferenzen selbstverständlich. Dies ist kein Verlust, sondern ein Gewinn und es stellt sich die Frage, welche Punkte man ebenfalls digitalisieren könnte.“

Doch Andreas Illenberger sieht auch kritische Punkte: „Fortschritte und Förderung brauchen mehr Nähe. Es ist wichtig, die Kinder bei ihren Entwicklungs- und Lernfortschritten gut begleiten zu können.“

Er hält auch fest: „Krisen erhöhen die Resilienz. Sie machen, uns alle, widerstandsfähiger.“

*Name geändert

Die Lernbörse: Ein Lernfeld für alle

Glanzlichter, Lernen im Vivala

Am 24. November 2017 fand die neunte Vivala-Lernbörse statt. Mitarbeitende sowie Lernende präsentierten den interessierten Kolleginnen und Kollegen Themen aus dem beruflichen und persönlichen Umfeld.

Wie schon in den vergangenen Jahren fand die Lernbörse im katholischen Pfarreizentrum St. Johannes in Weinfelden statt. Die Mitarbeitenden der Stiftung Vivala konnten einen Tag lang sechs Bildungsangebote besuchen.

Die Referentinnen und Referenten hatten sich in den vergangenen Wochen sorgfältig auf ihre Rolle vorbereitet. Dabei wurden sie von Kollegen und Vorgesetzten unterstützt. Die Idee der Lernbörse besteht darin, eigenes Wissen zu vermitteln und dem Publikum neue Sicht- und Denkweisen zu ermöglichen. Die Referenten sollen aber auch selbst profitieren: Sie können Vortragssituationen üben und „ihr“ Thema vor den interessierten und kritischen Kollegen vertreten.

Die Themen der Vorträge der Lernbörse 2017 waren breit gestreut: Humor, Meditation, Unterstützte Kommunikation in der Praxis und Demenz sowie eine Diskussion über den Jubiläumsfilm von Jann Kessler.

Am 23. November 2018 findet die Lernbörse zum zehnten Mal statt und man darf schon jetzt gespannt sein, welche Referate die Mitarbeitenden vorbereiten werden.